Dieser gandhārische Steinfries aus blaugrauem Chloritschiefer stammt aus der Region Gandhāra, die im heutigen Pakistan, Afghanistan und Nordindien lag. Er wurde im 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. gefertigt und repräsentiert die Verschmelzung griechisch-römischer und indischer Kunststile während der Kushan-Dynastie. Das Relief zeigt eine buddhistische Szene, möglicherweise eine Predigt eines Bodhisattvas, umgeben von Anhängern.
Charakteristisch sind die realistisch proportionierten Figuren, die detaillierten Drapierungen der Gewänder und der Heiligenschein, der die zentrale Figur umgibt und auf ihre Erleuchtung hinweist. Diese Merkmale spiegeln den Einfluss hellenistischer Kunst wider, wie er durch den kulturellen Austausch entlang der Seidenstraße in die Region gelangte.
Das Relief weist typische kompositorische Merkmale der Gandhāra-Kunst auf: eine zentrale Hauptfigur mit kleineren, umgebenden Gestalten, ergänzt durch architektonische Elemente wie die korinthische Säule, die den griechisch-römischen Einfluss verdeutlicht. Das verwendete Material, Chloritschiefer, erlaubt eine feine Ausarbeitung der Details und war in der Region aufgrund seiner guten Formbarkeit beliebt.
Gandhāra, ein wichtiger Knotenpunkt des kulturellen Austauschs, war während der Kushan-Herrschaft ein Zentrum buddhistischer Kunst. Dieser Steinfries zeugt von der religiösen und künstlerischen Blütezeit dieser Epoche und diente wahrscheinlich der Dekoration eines Klosters oder einer Stupa, um buddhistische Lehren visuell zu vermitteln.