"Pardeh" bezeichnet traditionell Vorhänge, die in der Zeltkultur nomadischer Gemeinschaften eine zentrale Rolle spielten. Sie dienten dazu, Zelte in funktionale Bereiche wie Schlaf-, Arbeits- und Gästebereiche zu unterteilen und somit eine flexible Wohnstruktur zu schaffen.
Die Gestaltung des Vorhangs zeichnet sich durch breite Streifen in kräftigen Farben aus – Schwarz, Rot und Gelb –, die mit ihrer klaren Linienführung und harmonischen Farbverteilung die Präzision und Ästhetik der nomadischen Textilkunst verdeutlichen. Besonders bemerkenswert an diesem Pardeh ist die Farbkomposition, die nicht nur auffällig, sondern auch selten in nomadischen Textilien ist. Die breiten Streifen werden durch feine Details ergänzt, darunter stilisierte Pfeilformen, die möglicherweise sowohl eine symbolische als auch dekorative Bedeutung besitzen.
Die verwendeten Farben wurden durch natürliche Farbstoffe erzielt, eine Praxis, die typisch für die nomadische Webtradition ist und eine Verbindung zur Umwelt und zu kulturellen Traditionen schafft. Wie viele Pardeh-Textilien spiegelt auch dieses Stück die handwerkliche Kompetenz und die kulturellen Praktiken der Weberinnen wider. Die Herstellung erfolgte in reiner Handarbeit, ohne gezeichnete Vorlagen, was jedes Exemplar zu einem Unikat machte. Gleichzeitig bewahrt der Pardeh die traditionelle Farb- und Musterästhetik der Region, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde und die enge Verbindung zwischen Kunst, Funktion und Alltag in nomadischen Gemeinschaften verkörpert.