Unsere Teppiche und Kelims von Nomad:innen stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Sie kommen aus Anatolien, dem Kaukasus und Persien und gehören zu der renommierten Sammlung Neiriz. Dank ihrer Vielseitigkeit und ihres dekorativen Designs erleben sie heute ein Comeback in der modernen Inneneinrichtung. Diese Textilarbeiten sind ein fester Bestandteil der nomadischen Kunst und Kultur, vereinen Funktionalität und Ästhetik und verkörpern die reiche künstlerische Identität der Nomad:innen.
Kelims und Teppiche waren von großer Bedeutung für das nomadische Leben. Die Gabbeh, gekennzeichnet durch flachen Flor und eine geringere Knotendichte, wurden ursprünglich als Kleidung oder Decken verwendet. Über ihre alltägliche Nutzung hinaus galten sie als Schutzamulette gegen Unheil und Naturgewalten. Dieser Glaube, beeinflusst von Schutztiermotiven wie Bären, Wölfen und Löwen, entwickelte sich über Jahrtausende und spiegelt die naturverbundene Lebensweise der Nomad:innen wider.
Die Textilien wurden autark und nachhaltig produziert. Dank eigener Tierherden standen Schafwolle sowie Ziegen- und Kamelhaar zur Verfügung, aus denen das Garn gesponnen wurde. Die Färbung erfolgte mit pflanzlichen Farbstoffen, bevor die Kelims gewebt und die Teppiche geknüpft wurden. Diese Herstellungsweise passt sich dem flexiblen Lebensstil der Nomadenstämme an, die aufgrund häufiger Ortswechsel auf transportable und langlebige Gebrauchsgegenstände angewiesen waren. Diese Lebensweise spiegelt sich in jedem Detail der Textilien wider und verleiht ihnen eine spürbare Authentizität.
Die Gestaltungen der Textilien sind inspiriert von einer jahrtausendealten Tradition und einer symbolträchtigen Gedankenwelt. Die Web- und Färbetechniken variieren je nach Stammeszugehörigkeit. Farbsymboliken und Muster wurden mündlich über Generationen hinweg weitergegeben – eine Tradition, die durch Heiraten und Allianzen zwischen Stämmen bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt wurde. Alte Weberinnen, die bis heute eine nomadische Lebensweise pflegen, sind wichtige Hüterinnen dieses Wissens, da es nur wenige schriftliche Quellen zur Geschichte der Nomadenkunst gibt.
Die faszinierenden und überraschend modern anmutenden antiken Textilarbeiten weisen starke Parallelen zu Bauhaus-Webereien und Malereien der New Yorker Schule des 20. Jahrhunderts auf. Gerade die archaische visuelle Einfachheit der Kelims hatte erheblichen Einfluss auf die formalen Experimente der Kunst der Moderne.
Alle Stücke unserer Sammlung sind Unikate, ohne Vorlagen und Skizzen gefertigt – ein entscheidender Unterschied zu den gleichförmigen Manufakturwaren. Unter diesen einzigartigen Werken finden sich herausragende Webereien, die sich durch besondere Kunstfertigkeit und Ausdruckskraft von anderen ihrer Zeit abheben.